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Die Botschaft eines Holzkreuzes

Ich sah in ein Paar große dunkle Kinderaugen, die mir voll und ganz vertrauten. Mit einem Mal wusste ich: ich würde nicht mehr so weitermachen können wie bisher.
Mein Leben - ja, was war mein Leben?
"Papa, nein, bitte schlag mich nicht! Ich will auch ruhig sein!" Erbarmungslos sauste die Gürtelschnalle auf meinen entblößten Rücken. Wieder und immer wieder. Mein Vater verließ den Raum. Ich kauerte in der Ecke. Wimmernd. Gedemütigt. Verbittert. Einsam. Es gab niemanden, zu dem ich mich flüchten konnte. Niemanden, außer das Holzkreuz in der kleinen Kapelle am Ende der Straße. Wie oft lag ich weinend davor und flehte einen Gott um Hilfe an, von dem ich nicht wusste, ob es ihn gab. Wenn es ihn gab, warum ließ er das zu? Warum hatte er mir Eltern gegeben, denen ich eine Last war? Warum schlugen sie mich? Wieder einmal kniete ich vor dem Holzkreuz und schleuderte ihm Fragen entgegen. "Gott, zeig mir, was ich tun soll!"
Eines Tages zogen wir um. In eine Großstadt. In ein ärmliches Viertel - hier gab es keine Kapelle für mich. Ich begann, von zuhause wegzulaufen. Bettelte auf der Straße um ein paar Cent, von denen ich mir eine Bratwurst an der Ecke kaufte. Meine Eltern suchten mich nie. Meistens brachte die Polizei mich irgendwann wieder nach Hause. Bis ich einer Oma die Tasche klaute und von dem Geld mit dem Zug in eine andere Stadt, weit weg fuhr. Ich lebte auf der Straße, verdiente mir ein paar Euro durch Gelegenheitsjobs, oder ich klaute es mir zusammen. Niemand fragte nach mir, niemand schien mich zu vermissen.
Der Sozialarbeiter brachte mich in eine Gruppe Gleichaltriger, die zusammen wohnten. Er hieß Nick und unterhielt sich lange mit mir. "Ich kann dir eine Lehrstelle als Tischler anbieten, wär das was für dich?" - "Kann ich nicht lieber wieder zur Schule gehen?" - Es mag merkwürdig klingen, aber das Lernen hatte mir immer Spaß gemacht. So drückte ich die Schulbank. Holte alles Versäumte nach. Es ging mir gut. Ich wohnte in meiner Gruppe und fand Kumpels. Der Tag, an dem ich mein Abiturzeugnis in der Tasche hielt - er war der aufregendste Tag meines ganzen bisherigen Lebens. Nick schien beeindruckt und er half mir, einen Studienplatz im Fach Wirtschaft zu bekommen. Ich verließ die Gruppe und zog mit ein paar Kommilitonen zusammen auf eine kleine Bude. Am Wochenende jobbte ich in einer Kneipe. Mit meinem Studium kam ich glänzend vorwärts. "Du hast eine Bombenzukunft vor dir - ich beneide dich!", sagte Nick. "Mach was aus deinem Leben!" Ich war stolz auf mich. Das hätte er niemals von mir gedacht. Aber ich hatte es geschafft, und, ja, ich würde etwas machen aus meinem Leben! An meine Eltern dachte ich fast gar nicht mehr. Sie hatten keine Ahnung, wie es mir ergangen war. Und ich war mir sicher, es interessierte sie keinen Deut.
Ich begann als Assistent eines Managers in einer großen Firma. Es war so aufregend. Nach und nach wurde mir sehr viel Verantwortung übertragen. Ich durfte in der Welt herumreisen und Verhandlungen führen und brachte der Firma etliche neue Aufträge ein. Man achtete mich. Ich wurde befördert. Verdiente einen Haufen Kohle und mein Vermögen wuchs. Besitz wurde mir immer wichtiger. Ich kaufte mir ein Penthouse am Stadtrand, arbeitete hart, lernte Tennisspielen und genoss mein Leben. Die teuersten Designer-Anzüge waren gerade gut genug für mich. Ich hatte es mir verdient - es gab wahrscheinlich niemanden auf der Welt, der es sich so sehr verdient hatte wie ich. Meine Kollegen schauten argwöhnisch auf mich. Sie beneideten mich. Ich fand keine Freunde unter ihnen. Ich brauchte auch keine Freunde. Wozu? Mein Tag war ausgefüllt mit Arbeit, Tennis, Reisen. Ich war rundum zufrieden mit mir und meinem Leben.
Eines Tages traf ich Nick wieder. Fünfzehn Jahre waren ins Land gezogen, seit er mich in jener Großstadt aufgabelte, seit 5 Jahren hatte ich ihn nicht mehr gesehen. Ich lud ihn zum Essen ins beste Lokal der Stadt ein. Ich wollte ihm das Beste bieten, denn durch seine Hilfe war ich der Mensch, der ich heute war. Desto erstaunter war ich, dass ich so gar nicht recht warm mit ihm wurde. Weder das teure Lokal noch mein neuestes Outfit schienen ihn zu beeindrucken, vielmehr sah er fast betrübt aus, als er fragte: "Sag mal, du bist dir sicher, dass du wirklich glücklich bist?" - Komische Frage. "Neid! Purerer Neid!", dachte ich, und hakte Nick ab. Ich brauchte niemanden.
Es war in London. Ich hatte ein sehr erfolgreiches Gespräch mit einer der in unserer Branche größten Firmen Londons geführt und war müde. Der Flughafen war dicht wegen Nebel, und ich beschloss mit dem Zug heimzufahren. Also nahm ich ein Taxi zum Bahnhof, löste eine Fahrkarte 1. Klasse mit einer meiner Kreditkarten und suchte nach einem Restaurant, wo ich mich entspannen und eine Kleinigkeit essen konnte, bevor der Zug kam. Plötzlich hielt ich inne. Eine kleine schmutzige Hand griff nach meiner und ein dünnes Stimmchen wimmerte flehend: "Bitte, Onkel, kannst du mir helfen?" - Ich wollte das Kind zuerst wegstoßen. Es war schmutzig und überhaupt, was wagte es, mich zu belästigen? Unwillig fuhr ich herum und als erstes fiel mein Blick auf ein kleines Holzkreuz, das sie an einem Stoffband um den Hals trug. Im Geiste sah ich mich vor einem viel größeren Holzkreuz knien und einen Gott um Hilfe anflehen. Es gab mir einen Stich ins Herz und ich sah das Kind näher an. Zerzaustes Haar, schmutziges Gesicht - und diese großen, braunen Augen, die traurig aussahen und ängstlich umherblickten, und doch mir gegenüber grenzenloses Vertrauen ausstrahlten. Vertrauen, von dem ich keine Ahnung hatte, womit ich es mir verdient hatte. Ich kann es nicht beschreiben, welche Gefühle mich in diesem Augenblick aufwühlten. Doch spürte ich es tief in meinem Innern: Dies war ein Wendepunkt meines Lebens. Die Kleine hatte sich verlaufen und fand ihre Mutter nicht wieder. Ich fragte sie, wo sie wohnte. Sie nannte mir eine Stadt. Ich studierte den Fahrplan. Es war ein Vorort Londons. Ich kaufte dem Kind eine Fahrkarte und begleitete sie zum Vorortzug. "Die nächste Station steigst du aus und bist am Bahnhof deines Heimatortes. Kennst du dich da aus, oder soll ich mit dir fahren?" - "Nein, brauchst du nicht, wir wohnen direkt gegenüber vom Bahnhof. Danke, du bist so lieb..." - "Wie heißt du denn?" - "Alysha, ich heiße Alysha."
Ich saß im Zug heim und versuchte vergeblich, meine Gedanken unter Kontrolle zu kriegen. Ich dachte an das Geld, das ich heute verdient hatte, dachte an mein Penthouse, das auf mich wartete - und sah die braunen Augen von Alysha vor mir. Was passierte hier mit mir? Ich hatte ein glückseliges Gefühl in mir, das ich in dieser Form noch nie kennen gelernt hatte. Ich war doch zufrieden gewesen, mit meinem Leben. Oder war ich es nicht?
Zuhause ging ich in eine Kirche. Niemand kannte mich hier. Seit der kleinen Kapelle hatte ich nie wieder eine Kirche betreten. Hinter dem Altar hing ein großes, verschnörkeltes Holzkreuz. Es hatte nichts von der Schlichtheit jenes Kreuzes meiner Kindheit. Und doch kamen die Erinnerungen an meine Fragen, die ich einem Gott entgegen geschleudert hatte, von dessen Existenz ich nicht überzeugt war. "Gott, zeig mir, was ich tun soll!", hatte ich ihn angefleht. Nun hatte mir dieser Gott ein Paar große braune Augen gezeigt, die meine Hilfe brauchten. Das Kind wirkte ärmlich und verängstigt. Bilder stiegen auf in mir. Ob es .... ob es auch zu Hause geschlagen wurde, so wie ich, damals? Wie lange hatte ich diese Gedanken und Erinnerungen verdrängt?
Ungeliebt zu sein. Schläge. Armut. Keine Zukunft. Keine Zukunft? Oh doch, ich hatte mir eine glänzende Zukunft erarbeitet. Ob dieses Kind auch so eine Chance bekommen würde? Was hatte ich gemacht mit meiner Chance? Wer profitierte von meinem Leben, außer ich selbst? Außer die Firma, für die ich so hart arbeitete? Wer dankte mir meinen Einsatz und meine Energie? Mein Blick ruhte auf dem Kreuz. Wenn dieses Kreuz einmal mein Grab zieren würde - was hätte ich erreicht im Leben? Wer würde meiner gedenken? Was hätte ich vollbracht, das von bleibendem Wert gewesen wäre? Wieder fielen mir die traurigen Kinderaugen ein. Wie dankbar hatten sie mich angeschaut, als ich der Kleinen zuwinkte, als der Zug den Bahnhof verließ. Nein. Ich konnte nicht mehr so weitermachen wie bisher. Ich wollte meinem Leben einen Sinn geben. Koste es was es wolle.
Es kostete mich viel. Es kostete mich alles. Es kostete mich mein Vermögen. Meinen Job. Mein Penthouse. Mein Ansehen. Aber erst jetzt weiß ich, was Glück bedeutet. Erst jetzt habe ich sie verstanden, die Botschaft des Holzkreuzes. "Hallo Per, ich habe eine gut Nachricht - wir haben eine großzügige Spende erhalten, sieh mal!" Beth, die junge Erzieherin, schaute mich freudestrahlend an und ich folgte ihr in das geräumige Haus, das ich gekauft hatte. Das ich geöffnet hatte für alle Kinderaugen, die Hilfe brauchten. Hier durften alle kommen, die einsam waren. Geschlagen wurden. Verbittert und gedemütigt nach einer Zukunft fragten. Alle auf der Suche nach Zuwendung und Liebe. Ich hatte einen Schimmer ihrer Not in den großen, braunen Augen Alyshas gesehen, aber nie, niemals hätte ich gedacht, dass es so viele davon geben würde ...
15.1.07 15:30
 


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